Bader und Ärzte

Physikus oder Stadtphysikus wurde ab dem Spätmittelalter der niedergelassene Arzt genannt. Ihm wurden die Funktionen übertragen, welche heute die Gesundheitsämter ausüben: Er entschied, wer ins Siechenhaus musste, das sich in Blaubeuren in der Marktstraße, außerhalb des Stadttores befand. Arme und Ortsfremde mit "eckligen" Krankheiten wurden dort von der Stadtgesellschaft abgesondert. Sie hatten meist äußerlich sichtbare Krankheiten, wie Lepra oder Pocken sowie ansteckende Krankheiten. Der Stadtphysikus entschied außerdem, wer als Bader oder Wundarzt im Ort tätig sein durfte.
Der Bader gehörte ganz selbstverständlich zusammen mit seinen Badermägden und Baderknechten in jede mittelalterliche Stadt. Es gab sogar Heilig-Geist-Spitäler mit eigener Badstube z. B. in Biberach. In Blaubeuren sind zwei öffentliche Badstuben belegt: Die alte Badstube in der Aachgasse 6 und die neue Badstube am Kirchplatz 5.
Anders als heute, waren in den Badstuben die heute getrennten Bereiche „Wellness“ und medizinische Behandlung nicht getrennt. In der Badstube gab es das Baden im Zuber mit heißen und kalten Aufgüssen und Schwitzbäder, Scheren u. Haarewaschen, dazu oftmals noch eine Schankerlaubnis. Gleichzeitig bot der Bader aber auch medizinische Leistungen an, wie Aderlass, Schröpfen, kleine Operationen und Zahnziehen.
Ab dem 16. Jahrhundert bekamen die vorher beim Bader angestellten Scherer einen eigenständigen Beruf und nannten sich nun Barbiere. Sie waren örtlich ungebunden, kamen mit ihrem Scherzeug in die Privathäuser oder auch ins Heilig-Geist-Spital und machten den ortsgebundenen Badern Konkurrenz. 1629 beschwerte sich der Klosterbader Hans Uttenrieth über die Blaubeurer Barbiere, da diese selbst Arzneien verkauften und er sich zusätzlich Baderknechte halten müsse. Aus den Barbieren wurden dann Wundärzte und schließlich Chirurgen, welche wie die anderen Handwerker medizinische Leistungen anboten. 1830 gab es im Oberamt Blaubeuren 18 Barbier-Meister und drei Gesellen.
Eine allgemeine Brennholzteuerung ab dem 16. Jahrhundert und die Angst vor Seuchen im 17. Jahrhundert leiteten allmählich das Ende der Badstuben ein. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es in Blaubeuren keine Bader und Badstuben mehr. Als die Lehrer des Evangelischen Seminars 1650 ins Kloster zurückkehrten, hielten sie das verlassene Badhaus der Mönche für ein unbewohnbares Spukhaus.

bader beim schröpfen
Wolff Geigenfeindt, Baader, beim Schröpfen, 1613
(Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 2, Nürnberg 1550-1791)



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