Die Rommel-Figuren

In einer kleinen Werkstatt in Ulm, die der Hafnerfamilie Rommel gehörte, wurden Figuren aus Ton gefertigt, die überaus detailreich zeigen, wie sich Personen verschiedenen Geschlechts, Alters und Stands bis ins
19. Jahrhundert hinein kleideten.

rommelfiguren - leprosenvater
Leprosenvater, das wöchentliche Almosen sammelnd
Septimus Rommel - Anfang 19. Jahrhundert
Museum Ulm


Mit Sammelbüchse und Tragkasten ausgestattet, gekleidet in Schwarz mit Hut und weißer Perücke, gekennzeichnet durch einen langen weißen Schurz zum Auffangen und Einsammeln von Spenden: der „Leprosenvater“.
Seine Aufgabe - neben dem Leiten des „Siechenhauses“ - deshalb auch „Siechenvater“ genannt - war es im Namen der Obrigkeit Almosen für die „Siechen“ zu sammeln. Seine Bezeichnung stammt wohl noch aus der Zeit, in der Lepra eine häufig auftretende Krankheit war. Mit einer Glocke in seiner Hand unter dem Schurz machte er auf sich aufmerksam. Deshalb wurde er auch „Klingler“ genannt.

rommelfiguren - waisenkinder
Die Waisenkinder von Ulm
Septimus Rommel - Anfang 19. Jahrhundert
Museum Ulm


Waisenkinder wurden von ihrem „Waisenvater“ auch unter der Woche gut eingekleidet und waren wohlgenährt. Damit sollte gezeigt werden, dass Waisenhäusern in der damaligen Zeit beträchtliche Mittel in Form von Sach- und Lebensmittelspenden zuflossen.
Der Junge trägt einen grünen Hut, einen einfachen schwarzen Rock, eine Kniebundhose mit Hosenträgern, eine Halsbinde und ein rotes Wams.
Das Mädchen trägt ein einfaches, aber ordentliches schwarzes Kleid mit einem feinen Schnürmieder, ein einfaches schwarzes Kopftuch, eine blaue Schürze und ein braunkariertes Halstuch. Das Tragen von so viel Schwarz geht wohl damit einher, dass dem Waisenhaus viele Sargtücher gespendet wurden, die man unter anderem zu Kleidung verarbeitete. Außerdem hält das Mädchen ein Weißbrot im Arm, welches wohl auf die Tradition des „Dorstigswecka“, des Donnerstagswecken zurückgeht.

rommelfiguren - bürgersweiber
Die Bürgersweiber
Septimus Rommel - Anfang 19. Jahrhundert
Museum Ulm


Der Kirchgang unter der Woche gestaltete sich recht bunt und alltäglich. So trugen Bürgersfrauen z. B. graue Stoffjacken mit Mustern, großblumig bedruckte Schürzen und schwarz-weiß gestreifte Faltenröcke – nur das Gesangsbuch zeigte, dass sie zur Kirche gingen. Weitere Kleinigkeiten verrieten, dass sie von unterschiedlicher sozialer Stellung waren:
Die Jüngere trägt ein rotes Mieder, und ein Halstuch. Auch ein Kropfband ist zu sehen. Weiterhin trägt sie fingerlose Handschuhe, Halbschuhe mit Schnallen und eine detailreiche, feine Haube.
Die Ältere trägt eine ähnliche Haube, wirkt aber durch das grobkarierte, wärmende Schultertuch, derbe Handschuhe mit dicken Stulpen und schwarze Stiefel arbeitsamer, weniger fein, niedriger vom Stand. Auffällig bei ihr ist ein Abzeichen auf ihrem Oberarm, welches sie als rechtmäßige Empfängerin von Almosen kennzeichnet und somit von fahrenden Bettlern unterscheidet: das „Heilige Blechle“.

bürgersweib mit heiligem blechle
Bürgersweib, das ein "Heilig's Blechle" auf dem Ärmel trägt
Septimus Rommel - Anfang 19. Jahrhundert
Museum Ulm


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