Schwanenknochenflöte

Die erste Flöte aus dem Geißenklösterle wurde eher durch Zufall entdeckt. Bei der Auswertung der Tierknochenfunde erkannte die Bearbeiterin Dr. Susanne Münzel die geschnitzten Löcher und konnte schließlich aus über 20 Fragmenten eine Flöte zusammensetzen. Diese hat eine erhaltene Länge von 126,5 mm und weist drei Grifflöcher auf. Ausgangsmaterial für das Musikinstrument war ein Flügelknochen - Speiche bzw. Radius - eines Singschwans. Die Bearbeitungsspuren sind auf dem Knochen noch erkennbar: Nach dem Säubern und Glätten der Oberfläche wurden die Löcher flach eingeschabt. Beim Bohren würden die Lochränder unregelmäßig abbrechen, was den Luftstrom in der Flöte behindert.

Aufgrund der geringen Länge der Flöte ergibt sich eine relativ hohe Tonlage. Außerdem ist ein Instrument mit so kleinem Durchmesser schwerer anzuspielen als eine Flöte mit größerem Durchmesser. Andere altsteinzeitliche Knochenflöten wurden aus Ellen hergestellt, die einen größeren  Durchmessser aufweisen. Das Anblasende der Flöte ist nicht mehr erhalten. So ist die eigentliche Spielweise nicht bekannt.

Bei vollem Hineinblasen spaltet sich der Luftstrom an den flach geschabten Grifflöchern. Dabei ergibt sich ein Tonraum von fünf Tönen: a3, b3, c4, e4, f4.
Bei einer Rekonstruktion als Längsflöte wird das Instrument schräg über einen angeschliffenen Rand angeblasen. Bei drei Grifflöchern ergibt sich ein Tonraum von sieben Tönen ohne Gabelgriff-Kombinationen: c3, d3, f3, b3 und c4, d4, f4.
Da jeder Knochen eine geringfügige Abweichung in Form und Abmessung hat, können die Tonangaben nur zur Orientierung dienen.

Daneben fanden sich im Geißenklösterle noch drei Fragmente einer weiteren Schwanenknochenflöte, die sich jedoch nicht zusammensetzen lassen.

Ausstellungsort: Landesmuseum Württemberg Stuttgart

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
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