Bockstein
(Rammingen - Lonetal ADK)

Bocksteinhöhle

UNESCO-Welterbelogo
Die Bockstein-Fundstellen liegen circa 3 km nördlich von Öllingen an dem nach Westen ausgerichteten Hang des Lonetals in 12 m Höhe über der Talsohle. Die Bockstein Fundstellen werden von West nach Ost als 
  - Bockstein-Westloch mit Vorplatz, 
  - Bocksteinhöhle, 
  - Bocksteintörle, 
  - Brandplatte, 
  - Abhang, 
  - Bochsteinschmiede und 
  - Bocksteinloch
bezeichnet.

Bocksteinhöhle
Die Bocksteinhöhle weist eine Tiefe von 15,7 m und eine maximale Weite von 9 m auf. Sie wurde als erste Fundstelle von L. Bürger und F. Losch in den Jahren 1881 und 1883/84 vollständig ausgegraben. Dabei sprengten sie den unteren Teil des heutigen Eingangs frei. Bei einer Nachgrabung vor der Höhle konnte R.R. Schmidt 1908 keine Fundschichten mehr feststellen. Nach den Funden der Bürger´schen Grabung enthielt die Bocksteinhöhle eine Schichtabfolge mit Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum.
Aus dem Mittelpaläolithikum stammen überwiegend Schabertypen. Den bemerkenswertesten Fund stellt ein mandelförmiger Schaber dar, der auf der einen Seite vollständig retuschiert auf der Rückseite jedoch nur grob zugeschlagen ist. Unter den Tierarten sind Höhlenbär, Höhlenlöwe, Hyäne, Mammut, Wollnashorn, Wildpferd, Hirsch und Rentier belegt.
Getrennt durch eine circa 1 m mächtige zähe Lehmschicht mit vereinzelten Funden folgten Kulturschichten des Aurignacien und Magdalénien. Durch die terrassenförmige Ausgrabungsmethode wurden die beiden jungpaläolithischen Schichten vermischt, so dass sich nur einzelne Fundstücke der jeweiligen Kulturgruppe zuweisen lassen.
Aus den steinzeitlichen Schichten stammt die Bestattung einer Frau und eines Säuglings, die lange Zeit für neuzeitlich gehalten wurde, sich aber nach einer Radiocarbon-Datierung als mittelsteinzeitlich erwies.
Erst die Törle-Grabung von R. Wetzel zusammen mit M. L. Taute-Wirsing 1953 und 1955/56 legten den ursprünglichen Höhleneingang mit Vorplatz frei und erbrachten stratigrafisch gesicherte Funde, darunter auch ein Spätpaläolithikum.

Bocksteinloch und Bocksteinschmiede
Das Bocksteinloch ist eine kleine 8 m tiefe und 8 m breite Höhle, die insgesamt nur wenige Steinartefakte lieferte. Dagegen ergaben der Vorplatz und die Bocksteinschmiede mit der Schmiedgrube eine der fundreichsten Schichten des Micoquien am Bockstein, die in der Archäologie mit der Bezeichnung Bockstein III als maßgeblicher Fundkomplex geführt wird. Der Vorplatz wird zum Abhang hin durch eine Felsrippe begrenzt, die von Wetzel als „Bastion“ bezeichnet wurde. Die unter Hangschuttschichten verborgenen Fundstellen wurden 1932 entdeckt und zwischen 1933 und 1935 von Wetzel vollständig ausgegraben.
Die Profile von Bocksteinloch und Bocksteinschmiede können trotz Schichtlücken weitgehend parallelisiert werden, so dass sich eine Gesamtabfolge von zwei jungpaläolithischen und fünf mittelpaläolithischen Fundschichten ergibt.
Die unterste Schicht Bockstein I, ein unspezifisches Mittelpaläolithikum ist mit acht Artefakten nur in der Schmiedsgrube belegt.
Die Schicht Bockstein II ist mit sechs Artefakten noch weniger vertreten, aber durch ein Faustkeilblattfragment formal nicht von dem folgenden Micoquien zu trennen, jedoch durch ihre Lage unter dem Brandhorizont von Bockstein III.
Der Bockstein-III-Komplex mit fast 3000 Artefakten zeichnet sich durch die wechselseitig-gleichgerichtete Bearbeitungstechnik aus. Im Werkzeugspektrum vertreten sind sogenannte Bocksteinmesser, Spitzen, Blattspitzen und Schaber.
Die folgende Schicht IV enthielt lediglich 35 Artefakte, die zwar in der Bearbeitung keine Unterschiede erkennen lassen aber nicht mehr alle Typen wie zum Beispiel Bocksteinmesser oder Micoquekeile aufweisen. Aus der oberen mittelpaläolithischen Schicht Bockstein IV wurden gerade noch 5 Artefakte, darunter ein blattspitzenartiges Werkzeug geborgen.
Unter der Raubtierfauna der Schichten II-V sind Höhlenbär, Höhlenlöwe, Hyäne, Bär, Wolf, Dachs und Eisfuchs vertreten. Die Reste der Pflanzenfresser bestehen aus Mammut, Wollnashorn, Moschusochse, Wildrind, Rentier, Riesenhirsch, Hirsch, Gämse und vor allem Wildpferd.
Schicht VI belegt mit 45 Artefakten, darunter Klingen und Klingenwerkzeugen wie Rückenmesser, Kratzer, Stichel und Lateralretuschen, vermutlich nur eine kurze Anwesenheit jungpaläolithischer Jäger des Gravettien.
Auch in der obersten Fundschicht V, einem Magdalénien, sind nur wenige Fundstücke zurückgeblieben.
Inwieweit die gefundenen Tierreste von Höhlenbär, Hyäne, Höhlenlöwe, Wolf, Dachs, Wollnashorn, Wildpferd und Wildrind, Riesenhirsch und Ren der beiden jungen paläolithischen Schichten zur menschlichen Jagdbeute zu rechnen sind, bleibt ungewiss.

nach: Sigrid Haas-Campen, Ulm und der Alb-Donau-Kreis, Stuttgart 1997, 169-174.


Zugänglichkeit
Die Fundstellen im Bockstein sind frei zugänglich. Allerdings steiler Anstieg zu den ca. 12 m über dem Tal liegenden Fundstellen.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen nicht geeignet.

GPS-Daten      48°33'15" N, 10°09'17" O

Weg zum Hohlenstein
- Erreichbar über A 7 Ulm – Würzburg,
- Ausfahrt Niederstotzingen,
- Richtung Niederstotzingen fahren,
- am Kreisverkehr vor Bissingen rechts nach Öllingen abbiegen,
- am Talrand links Wanderparkplatz,
- an seinem Ende rechts Fußweg,
- über Lone zur südlichen Talseite,
- rechts am Waldrand entlang bis zur Informationstafel,
- ab hier steiler Anstieg zu den Fundstellen.


  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
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