Brillenhöhle
(Blaubeuren-Seissen - Achtal ADK)

Die Brillenhöhle - früher Zwickerhöhle genannt -  ist eine Kuppelhöhle mit einem kurzen Gang und einer Halle mit zwei Deckendurchbrüchen, von denen sich ihr Name ableitet. Die Höhle ist durch ein Gitter verschlossen.

Eine 1906 durchgeführte Sondage von Robert Rudolf Schmidt war erfolglos. Die Ausgrabungen von Gustav Riek in den Jahren 1955 bis 1963 ergaben mehrere Fundschichten mit Siedlungsresten der Jüngeren Altsteinzeit und einem Mischhorizont mit Funden aus dem Magdalénien bis zur Urnenfelderzeit.

Über interne und externe Zusammensetzungen von Steinartefakten konnte einerseits die Schichtenfolge in der Brillenhöhle korrigiert werden und anderseits fürs Gravettien eine gleichzeitige Besiedlung der Brillenhöhle, des Geißenklösterle, des Hohle Fels und indirekt über das Rohmaterial auch der Sirgensteinhöhle festgestellt werden.

Die frühesten Belege einer Nutzung der Höhle durch den Menschen datieren ins Aurignacien. Hierbei handelte es sich vermutlich nur einen kurzen Aufenthalt, da außer zwei Knochenspitzen keine weiteren Funde oder Befunde wie zum Beispiel Feuerstellen festgestellt wurden. Allerdings wurde dieser Horizont auch nur in einem kleinen Bereich gegraben.

Dagegen sind aus den Gravettienhorizonten die Reste zweier Steineinbauten und eine große Anzahl an Feuerstellen nachweisbar. Die Oberfläche des Gravettienhorizontes bildet eine große Brandschicht aus Knochenkohlen, die viele Stein- und Knochenartefakte enthielt. Unter den Steinwerkzeugen sind Gravettespitzen, Stichel und Kratzer, unter den Knochenartefakten Geschoßspitzen, Glätter, Pfrieme und gekerbte Knochenstäbchen vertreten. Besonders zu erwähnen ist ein Lochstab, der aus Elfenbein geschnitzt wurde. Als Schmuckelemente dienten tropfenförmige Elfenbeinanhänger, Perlen und Knochenröhrchen, durchbohrte Fuchseckzähne und je ein großer Anhänger aus Knochen bzw. Kalkstein.

Die Magdalénienfundschicht enthielt ein reichhaltiges Spektrum an Stein- und Knochengeräten. Durch zahlreiche Stichel, Kratzer, Bohrer, Rückenmesser sowie eine Kerbspitze sind die typischen Werkzeugformen eines späten Magdalénien vertreten. Die Knochen- und Geweihindustrie zeichnet sich durch Harpunen, Geschoßspitzen Lochstäbe, Nähnadeln mit Öhr und einen Trommelschlegel aus. Gekerbte Elfenbeinstäbe stellen vermutlich Rohlinge für Schmuckanhänger dar. An Strukturen sind mehrere größere und kleinere Feuerstellen belegt, die zum Teil mit Steinen umbaut waren.
Aus einer der  Feuerstellen wurden menschliche Skelettreste geborgen, die von mindestens drei Individuen stammen. Einige der einem 8-10jähringe Kind, einer erwachsenen Frau und einem 40-60jährigen Mann zuweisbaren Reste tragen Schnittspuren, die sich jedoch von denen auf Jagdbeuteresten deutlich unterscheiden. Man spricht heute bei diesem Befund nicht mehr von einem Beleg von Kannibalismus, sondern geht von einer Sekundärbestattung aus.

Unter den Tierknochen der paläolithischen Schichten ist der Höhlenbär am weitaus häufigsten vertreten, so dass auch für die Brillenhöhle eine Nutzung als Winterquartier und Wurfplatz der Bären ausgegangen wird. Zur menschlichen Jagdbeute sind dagegen die Reste von Mammut, Wildpferd, Wildrind, Rentier, Rothirsch, Wolf, Eis- und Rotfuchs zu rechnen. Sehr erfolgreich scheint die Jagd auf Schneehasen, Schneehühner und Enten gewesen zu sein.


Zugänglichkeit
Die Höhle ist aus Schutzgründen vergittert und kann im Rahmen des museumspädagogischen Programms besucht werden. Der Einblick in die Hallenhöhle ist von außen möglich. Zusammen mit dem Felsenlabyrinth ergibt sich ein schönes Wanderziel.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen nicht geeignet.

GPS-Daten     48°24'19" N, 9°46'40" O

Weg zur Brillenhöhle
- B 492 Blaubeuren Richtung Ehingen,
- vorbei an Brücke über Bahnlinie,
- danach rechts Parkplatz an Felswand.
- Zu Fuß weiter Richtung Ehingen
- nach 100 m rechts Eingang in Fußweg,
- über die Stufen nach links oben Richtung Felsenlabyrinth,
   Günzelburg, Seißen.
- Kurz nach einer Bank vor einem Felsriegel Weg rechts hoch in
   Serpentinen,
- am Schluss über Stufen bis zur Brillenhöhle.

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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