Felsställe - Trockenmauer
Reste der Trockenmauer

Felsställe - Bovidenzeichnung
Bovidenzeichnung

Felsställe
(Ehingen-Mühlen - Mühlener Tal ADK)

Im Kirchener Tal floss vor 150 000 Jahren noch die Ur-Donau. Nahe dem kleinen Dorf Mühlen liegt an der östlichen Talseite mitten im Laubwald das Felsställe. Ein halbkreisförmiges Felsdach, das ursprünglich einen Durchmesser von über 40 m besaß. Mit über 400 000 Steinartefakten ist es einer der fundreichsten Siedlungsplätze der jüngeren Altsteinzeit in Südwestdeutschland.

Nach Funden, die beim Wegebau gemacht wurden, fanden im Felsställe von 1975 bis 1980 Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, Außenstelle Tübingen unter der Leitung von Wolfgang Torke und Claus-Joachim Kind statt. Dabei ergab sich eine Schichtenfolge mit Magdalénien und Mesolithikum.

Aus den frühmesolithischen Schichten des Beuronien B und C liegen die typischen Mikrolithen, Knochengeräte und Schmuckgegenstände vor. Das nachgewiesene Jagdwild bestand aus Rothirsch, Wildschwein und Reh. Bei der Ausgrabung wurde auch ein Kalkstein entdeckt, auf den mit roter Farbe ein Bovidenkopf gezeichnet worden war.

Eingetieft in die Schicht Beuronien C lag die Hockerbestattung eines 2 - 4 jährigen Kindes. Nach einer 14C-Datierung lebte das Kind vor circa 6000 Jahren am Beginn der jüngeren Jungsteinzeit (Jungneolithikum).

Der Magdalénienhorizont teilt sich in eine obere, verlagerte und  eine untere, in situ erhaltene Fundschicht auf. Die intakte untere Schicht ist mit über 400 000 Steinartefakten äußerst fundreich. Das Werkzeugspektrum beinhaltet Rückenspitzen, Rückenmesser, Bohrer, Stichel und Kratzer. Hinzu kommen Nadeln aus Knochen und Speerspitzen aus Geweih, sowie eine ganze Anzahl durchlochter Schmuckschnecken. Die Jäger des Magdalénien erlegten Rentier, Wildpferd, Steinbock, Eisfuchs, Luchs, Wolf und Schneehase um einen Großteil ihres Nahrungsbedarfes zu sichern.
Eine kreisförmige Trockenmauer aus Steinplatten wird als Grundriss eines Zeltes, wie es für ein Winterlager angenommen wird, gedeutet. Hier wurde an der Felswand eine schematisch geritzte Frauendarstellung auf einem Kalkgeröll gefunden.
Aus der ungestörten Magdalénienschicht stammt ein rechter unterer Milchbackenzahn.


GPS-Daten     48°16'55" N, 9°39'06" O


Weg zum Felsställe
Das Felsdach liegt am Westhang des Mühlener Tals ungefähr
500 m ostsüdöstlich von Mühlen.
- Anfahrt über B 311 Ehingen Richtung Riedlingen
- am Ortsausgang Ehingen rechts ab Richtung Kirchen
- am Ortsende Schlechtenfeld rechts ab Richtung Mühlen
- nach Rechtskurve rechts Parkplatz
- zu Fuß weiter zum Felsställe

Frei zugänglich.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen bedingt geeignet.

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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