Große Grotte
(Blaubeuren - Blautal ADK)

Die Große Grotte hat einen 17 m hohen und 15 m breiten, nach Westen gerichteten Eingang und ist 28 m tief.

In der Große Grotte wurde 1958 von einem Schüler gegraben und diese daraufhin als urgeschichtliche Fundstelle gemeldet. Neben paläolithischen Steinartefakten, Knochen und Zähnen vom Höhlenbär und Wildpferd wurden auch mittelalterliche Scherben gefunden. Gustav Riek, der zu der Zeit in der Brillenhöhle grub, ließ daraufhin im Oktober 1959 eine Sondage durchführen. Von 1960 bis 1964 grub er in insgesamt vier Monaten die durchschnittlich 2,5 m mächtige Sedimentfüllung der Höhle aus. Dabei stellte Riek unter der humosen Deckschicht zehn gut trennbare Schichten mit einer mittelpaläolithischen Abfolge fest. Das Fundinventar umfasst 2000 Geräte und Abfallstücke aus der Zeit der Neandertaler.

In der untersten Fundschicht XI auf der Höhlensohle lagen Levalloiskerne, Abschläge und Levalloisspitzen.
Im Fundinventar der Schicht X treten zusätzlich Schaberformen auf. Die Basisschichten werden zeitlich in die ausgehende Eem-Warmzeit vor circa 80 000 Jahren gestellt.

Aus Schicht IX liegen nur wenige Artefakte vor. Durch zwei Faustkeile und einen Faustkeilschaber kennzeichnen sie ein Micoquien, das mit Beginn des Würmglazials einsetzt.

Die Schichten VIII bis III lieferten eine faustkeilfreie, reine Abschlagindustrie mit geringem Levalloisanteil. Mit zahlreichen Schaberformen wie Bogen-, Hohl-, Winkel-, Gerad- und Breitschaber charakterisieren sie ein Moustérien der frühen
Würm-Eiszeit.

Den umfangreichsten Fundanteil wies Schicht II auf. Durch typische Spitzbogenschaber, keilmesserartige Schaber und zwei Blattspitzen sowie eine geschliffene Knochenspitze mit
D-förmigem Querschnitt belegen sie eine jüngere Moustérienstufe (Frühe Phase der Altmühlgruppe), die ans Ende des Frühwürm gestellt wird.
Ob die in Schicht II entdeckte unregelmäßige Mauer aus Kalksteinblöcken, die quer durch die Höhle verlief, als Siedlungsstruktur des Neandertalers zu werten ist, muss offenbleiben, da die Oberkante der Schicht nicht mehr vorhanden war.

Unter den Tierresten ist der Höhlenbar am häufigsten vertreten. Dabei handelt es sich überwiegend um natürlich eingegangene Tiere. Als Jagdfauna des Neandertalers sind Steinbock reichlich, weniger zahlreich dagegen Rentier, Wildpferd, Rothirsch, Fuchs und Hase belegt. Einzelne Reste liegen auch von Mammut, Fellnashorn, Bison und Hyäne vor.


Zugänglichkeit
Die Höhle ist normalerweise außerhalb der Vogelschutzzeiten frei zugänglich. Die Schutzzeiten sind ausgeschildert.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen nicht geeignet.

Bis auf Weiteres kann die Höhle leider wegen Steinschlaggefahr nicht besucht werden.

GPS-Daten      48°24'22" N, 9°48'05" O

Weg zur Großen Grotte
Die Große Grotte befindet sich unterhalb der Burgruine Hohengerhausen, genannt Rusenschloß, oberhalb des Blautals im Steilhang zwischen Blaubeuren und Gerhausen.
Sie kann entweder vom sogenannten Tugendpfad oder vom Rusenschloß über Wanderwege erreicht werden.

Vom Tugendpfad:
- Vom höchsten Punkt des oberen Tugendpfads auf Wanderweg
   Richtung Rusenschloß,
- an Felsriegel rechts hoch,
- nach zwei Serpentinen links in die Große Grotte

Vom Rusenschloß:
- Richtung Sonderbuch,
- am Tor nach links unten Richtung Blaubeuren,
- an Wegkreuzung links Richtung Bahnhof,
- an Felsriegel links hoch,
- nach zwei Serpentinen links in die Große Grotte

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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