bemalter kalkstein
bemalter stein
bemalte Steine

hohle fels phallus©urmu_2014
Phallus

hohle fels - venus
Venus

venus 2 - fragment
Venus 2 - Fragment

kleiner löwenmensch
kleiner Löwenmensch

wasservogel
Wasservogel

geierknochenflöte©urmu_2014_foto_claus_rudolph
Geierknochenflöte

HF2015_Lochstab_220
lochstab - loch detail

Hohle Fels
(Schelklingen - Achtal ADK)

UNESCO-Welterbelogo
Hinter dem Eingang des Hohle Fels führt ein 20 m langer Gang zur 500 Quadratmeter großen Haupthalle. Bekannt wurde die Höhle schon 1870/71 als Oscar Fraas und der Wippinger Pfarrer Hartmann die erste archäologische Ausgrabung in der Höhlenhalle durchführten. Hier konnte Fraas nochmals die bestrittene Gleichzeitigkeit der Menschen mit den ausgestorbenen Tieren der Eiszeit belegen. 1872 fand eine Besichtigung der Grabungsstätte durch den in Ulm tagenden Anthropologischen Verein statt. Die Teilnehmer – darunter Professor Rudolf Virchow aus Berlin – nahmen einen Teil der Funde, die auf einem langen Tisch vor der Höhle zur Begutachtung ausgebreitet waren, als Souvenir mit. Der größte Teil der Funde wurde nach Stuttgart ins königlich württembergische Naturalienkabinett – heute Staatliches Naturkundemuseum – gebracht. Weitere Grabungen wurden nach 1906 von Karl Hartung und Direktor Wigand aus Schelklingen durchgeführt. Bei seiner Erforschung des Ach- und Schmiechtals fand Robert Rudolf Schmidt die Höhlenhalle umgegraben vor.

Zwischen 1958 und 1960 untersuchte Gustav Riek zusammen mit der Heimatforscherin Gertrud Matschak im Höhlengang eine Nische. Nach Raubgrabungen im offen gelassenen Grabungsloch wurde 1977 das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen unter der Leitung von Joachim Hahn vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg beauftragt, weitere planmäßige Grabungen in der Höhle vorzunehmen. Seit 1997 finden jährliche Grabungskampagnen unter der Leitung von Nicholas Conard, Universität Tübingen statt. Die Ausgrabungen im Gang zeigen ein Profil von einem oben liegenden Mischhorizont mit mittelalterlichen, eisen-, bronze- und jungsteinzeitlichen Funden. Darunter folgen Schichten aus der Zeit des Magdalénien, des Gravettien sowie Lagen aus dem Aurignacien, die reich an Funden sind. Dann kommt eine sterile bzw. fundleere Schicht, unter der sich mittelpaläolithische Schichten anschließen, die wenige Werkzeuge der Neandertaler beinhalten.

Magdalénien
Bei den Ausgrabungen wurden zahlreiche Silexartefakte – etwa 10 000 Stück – gefunden. Neben einfachen Abschlägen, Klingen und Absplissen sind Werkzeuge wie Bohrer, Stichel und Kratzer und besonders häufig Rückenmesser belegt. Unter den Geweih- und Knochengeräten sind Nähnadeln, Speerspitzen, mehrere zweireihige Harpunen, eine Querangel und der Rest eines gebrochenen Lochstabs zu erwähnen, sowie neben weiteren Kunst- und Schmuckelementen ein beidseitig gekerbtes Elfenbeinband. Besonders hervorzuheben sind die bislang acht bemalten Steine, die vorrangig mit rötlichen Punktreihen verziert wurden und eindeutig der mobilen Kunst zuzuordnen sind. Sie begründen die Tradition dieser abstrakten Malerei in Mitteleuropa. Die Fauna setzt sich aus Wildpferd, Rentier, Hase, Fuchs, Vögeln und Fischen zusammen.

Gravettien
Das Steinwerkzeuginventar des Gravettien beinhaltet Stichel, Kratzer, Gravettespitzen, Rückenmesser und eine Spitzklinge. An Knochen- und Geweihgeräten liegen Glätter, Geschoßspitzen, ein Lochstabfragment sowie ein grob gearbeiteter Meißel vor. Hervorzuheben ist vor allem eine verzierte Geweihhacke, in die eine schematische Darstellung eines Wildrindes eingeritzt wurde. Außerdem fand sich ein phallusförmiges Werkzeug aus Siltstein, welches als Retoucheur benutzt wurde und eine der ältesten bekannten männlichen Darstellungen ist. Als Schmuck oder Amulett wurden tropfenförmige Elfenbeinanhänger, durchbohrte Hirschgrandeln, Fuchs- und Pferdezähne, Schmuckschnecken und Ammoniten auf die Kleidung aufgenäht oder als Kette getragen.
Unter den Tierknochenresten sind Höhlenbär, Mammut, Wildpferd, Rentier, Wolf und Vielfraß vertreten. Die vorhandenen Höhlenbärenreste stammen vermutlich von während des Winterschlafs verendeten Tieren. Unter den Funden ist jedoch ein Halswirbel, in dem noch Reste einer Silexspitze stecken. Dies ist der Nachweis, dass dieses Tier durch Menschen getötet wurde. Durch einen rechten unteren Milchbackenzahn eines Jugendlichen liegt auch ein Rest des Gravettien-zeitlichen Menschen vor.

Aurignacien
Bislang wurden rund 35 000 Steinartefakte ausgegraben. Das Spektrum reicht von einfachen Abschlägen über Klingen mit typischer Aurignacien-Retusche bis zu Kratzern, Sticheln und Absplissen. Es existieren zahlreiche Faunenreste sowie Werkzeuge aus Geweih, wie die für das Aurignacien charakteristische Spitze mit gespaltener Basis. Besonders auffallend sind die zahlreichen Überreste der Elfenbeinverarbeitung am Platz. Daraus wurden verschiedene Werkzeuge des täglichen Gebrauchs wie Meißel oder Spitzen hergestellt. Tausende Splitter und über hundert Rundstabfragmente zeugen von intensiver Schnitzarbeit. Aus dem Aurignacien sind auch figürliche Kunstwerke bekannt, die vor allem aus Elfenbein geschnitzt wurden. Es wurden ein Pferdköpfchen, ein Wasservogel sowie der sogenannte Kleine Löwenmensch ausgegraben. Der forschungshistorisch wichtigste Fund ist eine sechs Zentimeter große Frauenfigur, die Venus vom Hohle Fels, die 2008 gefunden wurde. Hierbei handelt es sich um eines der ältesten figürlichen Kunstwerke der Welt, die erste Menschendarstellung weltweit. Sie wurde als Anhänger getragen. Unweit davon fand sich eine 22 cm lange Flöte aus Gänsegeierknochen. Ein 2014 gefundenes verziertes Elfenbeinfragment könnte zu einer zweiten Frauenstatuette gehören. 2015 wurde ein Lochstab aus Elfenbein entdeckt, der in seinen vier Löchern gewindeartige Kerbungen aufweist. Hierbei dürfte es sich um ein Werkzeug zur Seilherstellung handeln. Die eiszeitliche Tierwelt ist durch Knochen unter anderem vom Mammut, Wildpferd, Rentier, Höhlenbär, Füchsen sowie verschiedenen Fischresten gut vertreten.

Darunter folgt - wie in den anderen Fundstellen - eine nahezu fundleere Schicht. In dieser Zeit wurde unsere Gegend wohl nicht von Menschen aufgesucht.

Daran schließen sich Ablagerungen an, die den Neandertalern zugewiesen werden.

Mittelpaläolithikum
Auf einer im Vergleich zu den anderen Epochen bislang kleinen Grabungsfläche wurden vor allem Tierknochen ausgegraben. Hier überwiegen Höhlenbären- sowie Pferdeknochen. Bislang wurden nur wenige Steinartefakte entdeckt, aber es liegen für die Zeit des Mittelpaläolithikums typische Werkzeuge vor, die in Levalloistechnik hergestellt wurden.


Zugänglichkeit
Öffnungszeiten 1. Mai bis 31. Oktober
Sonntag 14 - 17 Uhr geöffnet (www.museum-schelklingen.de), ansonsten vergittert. Im Winterhalbjahr wegen Winterruhe der Fledermäuse geschlossen. Die Museumsgesellschaft Schelklingen veranstaltet im Hohle Fels Konzerte.
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Samstag       14 - 17 Uhr
Sonntag                         11 - 17 Uhr
Der Hohle Fels ist für Rollstuhlfahrer bedingt zugänglich.

GPS-Daten     48°22′45″ N, 9°45′14″ O

Weg zum Hohle Fels
- B 492 Blaubeuren Richtung Ehingen,
- hinter einer Kuppe links abbiegen (Beschilderung Hohle Fels),
- Bahnlinie überqueren,
- bis zum Parkplatz.
- Zu Fuß über die Achbrücke und
- danach hoch auf den Vorplatz des Hohle Fels.

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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