Sirgenstein
(Blaubeuren - Achtal ADK)

UNESCO-Welterbelogo
Vor dem Eingang liegt ein 14 m langer und 7 m breiter Vorplatz. Der Höhleneingang ist circa 3,5 m hoch, 5,4 m breit und öffnet sich nach Südwesten. Hinter der Vorhalle mit Nischen und Gewölben biegt man rechts zur leicht ansteigenden Haupthalle ab. Zwei Öffnungen in der Decke am Ende der Halle lassen etwas Tageslicht ein.

Die Höhle und der Vorplatz wurden 1906 von R. R. Schmidt ausgegraben. Dabei konnte erstmals eine Schichtenabfolge von der Mittleren bis zum Ende der Jüngeren Altsteinzeit festgestellt werden. Die darin gefundenen Werkzeuge konnten mit denen aus französischen Fundstellen gleichgesetzt und damit zeitlich eingeordnet werden. Deshalb wurden auch die französischen Namen für die Technokomplexe übernommen. Schmidt unterschied insgesamt zehn Schichten, die sich auf Vorplatz und Höhleninneres aufteilen.

Nach Schichten aus der Neuzeit, dem Mittelalter, der Bronze-, Eisen- und Römerzeit stieß Schmidt in der nächstunteren Schicht bereits auf ein Magdalénien (Schicht I) mit Sticheln, Bohrern, Kratzern und einer konvexen Rückenspitze sowie Geschoßspitzenfragmenten aus Geweih und Elfenbein. Unter den Tierresten befinden sich Ren, Pferd, Schneehase, Moor- und Schneehuhn am häufigsten, Höhlenbär, Mammut und Steinbock in einigen Resten.

Der Gravettienhorizont (Schicht II) lieferte neben Fragmenten von Knochen- und Elfenbeingeräten nur wenige Steinwerkzeuge. Den größten Anteil an der Jagdbeute hatten Ren, Pferd und Schneehase.

Die tiefer liegenden Schichten beinhalteten Funde aus dem Aurignacien (Schichten III – V) und Moustérien (Schichten VII - VIII).

Das Aurignacien ist mit kantenretuschierten Klingen, Sticheln, Spitzen, Kiel- und Nasenkratzern und vielen Abschlägen reichlich vorhanden. Geschoßspitzen Glätter und Pfrieme, sowie Elfenbeingeräte und doppelt durchlochte Elfenbeinperlen komplettieren das Inventar. Unter den Tierarten zusätzlich vorhanden sind Wollnashorn, Höhlenlöwe, Rothirsch und Wolf. Mit zwei Eckzähnen und einem Backenzahn liegen die Reste von zwei aurignacienzeitlichen Menschen vor.

In den untersten gelbbraunen Lehmschichten des Moustérien lagen einfache Schaber, Doppelschaber, Klingen und ein blattspitzenartiges Stück. Der überwiegende Anteil der Faunenreste bestand aus Höhlenbärenknochen, was darauf hinweist, dass die Sirgensteinhöhle sowohl vom Bär als auch vom Neandertaler genutzt wurde. Unter der Jagdfauna sind Wildpferd und Ren häufig neben einzelnen Resten von Mammut, Bison und Wollnashorn.

In den eiszeitlichen Schichten wurden die Feuerstellen immer im Eingangsbereich angelegt, der hintere Höhlenbereich wurde im Gegensatz zum Vorplatz wenig und erst im Magdalénien genutzt.

An der Südwand des Sirgenstein befindet sich ein Felsschutzdach, das circa 2,5 m breit und 1,5 m tief ist. Es liegt rund 7 m höher als die Sirgensteinhöhle. Die wenigen Steinwerkzeuge und die Tierreste, die Riek bei seiner 1937 erfolgten kurzen Ausgrabung bergen konnte, sprechen für eine nur gelegentliche Nutzung des Abris im Spätmagdalénien.


Zugänglichkeit
Die Höhle ist nicht vergittert und kann frei besichtigt werden. Hinter dem Höhlenportal liegt ein kurzer Gang, der sich im hinteren Teil zu einer Kuppelhöhle mit kleinen Öffnungen zum Tageslicht weitet.
Die jeweiligen Vogelschutzzeiten sind ausgeschildert.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen nicht geeignet.

GPS-Daten     48°23′13″ N, 9°45′40″ O

Weg zum Sirgenstein
Die Sirgensteinhöhle und der Abri an der Südwand befinden sich am Nordwesthang des Achtals, in einem Schwammriffstotzen in ca. 35 m Höhe über dem Tal.
- B 492 Blaubeuren Richtung Ehingen,
- etwa 5 km nach Blaubeuren rechts Parkplatz mit Hütte (kurz
   vor Abzweig nach Sotzenhausen),
- hinter Hütte Fußweg zur Höhle hoch.

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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