Vogelherd
(Niederstotzingen-Stetten - Lonetal HDH)

UNESCO-Welterbelogo
Unterhalb der Kuppe eines Bergsporns befindet sich die Vogelherdhöhle etwa 18 m über dem Tal. Sie besitzt drei Eingänge, zwei große, die sich nach Südenwesten und Süden öffnen, und einen kleinen Richtung Norden.
Im Mai 1931 fand der Heidenheimer Heimatforscher Herrmann Mohn im Auswurf eines Dachsbaus einige Feuersteinartefakte. Die dahinter liegende Höhle wurde durch Gustav Riek im Sommer bis Herbst 1931 fast vollständig ausgegraben. Der Aushub wurde vor der Höhle den Abhang hinunter abgekippt. In der Höhle verbliebene Sedimentreste wurden später von Raubgräbern durchwühlt.
Riek stellte eine reich gegliederte Abfolge fest, die jedoch an verschiedenen Stellen unterschiedlich erhalten und aus denen teilweise nur wenige Funde stammen.
Da die Ausgräber des Jahres 1931 nach unseren heutigen Maßstäben zu schnell und zu grob vorgegangen waren, erfolgten ab 2005 Nachgrabung durch das Institut für Urgeschichte. Bei diesen wurde der Aushub der Grabung 1931 noch einmal ausgegraben, geschlämmt und ausgelesen, wobei eine große Menge an übersehenen Funden zu Tage kamen.

Der unterste Horizont IX, die sogenannte "Kultur der Höhlensohle" wird einem unspezifischen Mittelpaläolithikum zugewiesen, das nur sechs Artefakte enthielt. Aufgrund eines darin gefundenen Waldelefantenzahns könnte diese Schicht noch aus der letzten Warmzeit, dem Eem, stammen. Diese frühe Datierung wurde jedoch von Joachim Hahn angezweifelt.

Darauf folgt ein Micoquien (VIII) mit Faustkeil und Keilmessern, darüber ein Moustérien (VII), aus dem zwei Knochenspitzen sowie verschiedene Schabertypen vorliegen.

Schicht VI wurde von Riek als "Unteres Aurignacien" bezeichnet, wird heute aber dem späten Mittelpaläolithikum zugewiesen. Eine Knochenspitze aus dieser Schicht lieferte allerdings ein aurignacienzeitliches C14-Alter. Hier könnte eine Vermischung der Horizonte vorliegen.

In den Aurignacienhorizonten V und IV zeichnet sich durch mehrere Feuerstellen und reichhaltige Funde eine längerfristige Nutzung der Höhle durch frühe moderne Menschen ab.
In Schicht V konnten auch Arbeitsplätze für Stein- und Elfenbeinbearbeitung, sowie Werkzeugdepots festgestellt werden. Riek beschreibt auch einen Haufen aus Mammutknochen und Stoßzähnen beim Südwesteingang.
In Schicht IV fand sich ebenfalls ein Platz, an dem Steinwerkzeuge herstellt wurden. Auch Ockerstifte und ein abgeplatztes Stück Höhlenwand mit Ockerspuren wurden gefunden. Diese Funde sind leider verschollen.
Die Steinartefakte aus diesen beiden Schichten bilden den Hauptteil des Fundmaterials. Es handelt sich dabei um viele Kratzer, darunter Kiel- und Nasenkratzer, Stichel, Spitzen, Lateralretuschen und ausgesplitterte Stücke.
An Werkzeugen aus organischen Materialien liegen Knochen-, Geweih- und Elfenbeinartefakte wie Geschoßspitzen mit gespaltener Basis, Glätter aus gespaltenen Rippen, Knochenpfrieme, Lochstäbe aus Elfenbein sowie Elfenbeinstäbe vor. Die Nachgrabung erbrachte auch eine größere Zahl an doppelt durchlochten Elfenbeinperlen, die im Fundinventar der Grabung 1931 völlig fehlen.
Die bedeutendsten Funde von 1931 sind aber wohl zehn kunstvoll geschnitzte Elfenbeinfiguren. Dabei handelt es sich um Darstellungen von Wildpferd, Mammut, Büffel und Raubkatzen, sowie eine als anthropomorph angesprochene Figur. Diese wurden ergänzt durch zwei später gefundene Fragmente eines Höhlenlöwenköpfchens. Bei den Nachgrabungen kamen zahlreiche weitere Figurenfragmente zu Tage, von denen sich zwei sogar an Funde aus dem Jahr 1931 anpassen liessen. Auch lieferte die Nachgrabung eine vollständige Mammutfigur.
Beim Auslesen der Nachgrabungsfunde konnten auch Fragmente von Vogelknochen- und Elfenbeinflöten erkannt werden.
Ein weiterer besonderer Fund ist ein Pyritknolle, auf der sich eindeutige Spuren finden, die zeigen, dass mit ihr und Feuerstein Funken geschlagen wurden, um ein Feuer zu entfachen.
Unter den zahlreichen Tierknochen sind Rentier und Wildpferd am häufigsten, aber auch große Rinder, Rothirsch, Gemse und Wildschwein vertreten. Anhand der Sterbealter der Tiere lassen sich Aufenthalte vor allem im Spätsommer und Herbst feststellen.

Einige C14-Daten weisen eventuell auf einen kurzfristigen Aufenthalt im Gravettien hin. Allerdings gibt es keine eindeutig dem Gravettien zuordenbare Funde.

Das Magdalénien ist in den Schichten III und II nachgewiesen. Anhand der wenigen Funde in Schicht III ist nur mit einem kurzen Aufenthalt zu rechnen. Gefunden  wurden Steinartefakte und einige organische Werkzeuge, wie Harpunen oder Geschoßspitzen, sowie einige bearbeitete Rentiergeweihe.

Schicht I ist dem Neolithikum zuzurechnen. In ihr wurden jungsteinzeitliche Bestattungen freigelegt. Anhand der C14-Daten gehören zu diesen auch die Schädel und Schädelfragmente, die Riek in den Aurignacienschichten gefunden hat.


Zugänglichkeit
Der Vogelherd ist nur durch den Archäopark zugänglich.
Dieser umschließt die Fundstelle und informiert mit einem Freigelände und einer Ausstellung über die Fundstelle und das Lonetal. Das 2006 entdeckte Mammut und die Löwenfigur sind dort im Original zu sehen.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen bedingt geeignet.

GPS-Daten     48°33′31″ N, 10°11′39″ O

Weg zum Vogelherd
- Anfahrt am besten über A 7 Ulm – Würzburg,
- Ausfahrt Niederstotzingen,
- Richtung Niederstotzingen fahren,
- am Ortsanfang Stetten links ab zum Parkplatz,
- von hier zu Fuß zum Eingang des Archäopark Vogelherd.

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
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