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Mammutrippe mit Markierungen aus dem Hohle Fels

Sonderpräsentation

Der Ort
Der Hohle Fels bei Schelklingen ist eine große Hallenhöhle, die sich knapp über dem Achtal befindet.
Die archäologischen Fundschichten reichen bis zur Zeit der Neandertaler vor über 50.000 Jahren hinab. Die bedeutendsten Funde sind die figürlichen Kunstwerke, Musikinstrumente und Schmuckstücke aus dem Aurignacien vor rund 40.000 Jahren. Aber auch die Fundschichten aus dem Gravettien haben viele
bedeutende Zeugnisse überliefert.

Seit 2017 ist die Fundstelle Teil des UNESCO-Welterbes
„Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.
Seit dem 19. Jahrhundert wird der Hohle Fels immer wieder archäologisch erforscht. Seit nun 22 Jahren wird unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Nicholas Conard von der Universität Tübingen gegraben.
Die archäologischen Ausgrabungen im Hohle Fels liefern jährlich faszinierende Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit.

Der Fund
Der beeindruckendste Fund der Grabung im Jahr 2017 war eine gut erhaltene Rippe. Diese stammt höchstwahrscheinlich von einem Mammut. Diese Zuordnung muss noch zweifelsfrei wissenschaftlich untersucht werden.
Mammutrippen wurden sehr häufig als Rohmaterial für Artefakte benutzt. Solche vollständigen, großen Rippen kommen aber so gut wie nie im schwäbischen Gravettien vor. In diesem Zusammenhang spielt auch die häufige Nutzung von frischen, fetthaltigen Knochen als Brennmaterial eine Rolle. Deshalb sind große Knochen relativ selten erhalten.

Außergewöhnlich sind die Spuren der Nutzung und die Markierungen auf der Rippe. Die Enden wurden durch eine Bearbeitung und eine noch nicht näher spezifizierte Nutzung abgerundet. Das untere Ende scheint absichtlich gebrochen zu sein. Das obere Ende ist starkver rundet und die Verbindung zum Brustwirbel fehlt. Der Schaft ist relativ gerade, ohne die charakteristische Biegung einer vollständigen Rippe zu haben.
Die dickere Seite der Rippe weist zwei Reihen von Markierungen auf. Eine zeigt 83 und die andere 90 Striche. Die breite Fläche der Rippe weist weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf. Die Markierungen sind in der Regel sehr gut erkennbare, saubere Einschnitte, die sicherlich gezielt platziert wurden. Sie zeigen eine gewisse Variabilität und wurden wahrscheinlich nicht in einem Durchgang ausgeführt.

Obwohl viele Funde aus der Zeit vor rund 31.000 Jahren Markierungen tragen, sind Vergleichsstücke aus Südwestdeutschland selten. Die Ausgräber vermuten, dass die Rippe eine Funktion hatte und als Informationsträger diente. Welche Art von Information festgehalten wurde, lässt sich heute aber nicht mehr sagen.
Es könnte sich beispielsweise um eine Zählung handeln, wie Tage, Mondzyklen, Menschen, Jagdbeute oder das Vermerken von komplizierten Arbeitsschritten. Die Zahlenkombination von 83, 90 und 13 ergibt kein klares System, das sich beispielsweise mit einem Mondkalender in Verbindung bringen lässt.

STECKBRIEF
Fundort Hohle Fels bei Schelklingen
Zeitliche Einordnung Gravettien, zwischen 33.000 und 28.000 Jahre alt
AMS-14C-Datierung (ETH-84173) 31.535 bis 31.180 cal. BP
Maße 44 cm lang
5,1 cm breit
2,1 cm dick
Fundschicht AH IIc


MAMMOTH RIB WITH MARKS

The site
Hohle Fels, located near the town Schelklingen, is a large cave situated several meters above the valley floor of the Ach River.
The archaeological finds from Hohle Fels range from the time of the Neanderthals more than 60,000 years ago until the medieval period. The most important finds are examples of figurative art, musical instruments and the personal adornments from the Aurignacian ca. 40,000 years ago. Hohle Fels also yielded a great wealth of material from the Gravettian period dating between roughly 35,000 and 30,000 years ago.

In 2017 the site was designated part of the UNESCO-World-
Heritage zone “Caves and Ice Age Art of the Swabian Jura”.
Since the 19th century the Hohle Fels has been the focus of numerous archaeological excavations. For the last 22 years a team under the direction of Prof. Nicholas Conard from the University of Tübingen has excavated the site.

The object
The most remarkable artifact from the 2017 field season is a well preserved rib from a mammoth.
Mammoth ribs were often used as raw material for prehistoric artifacts, however, such complete ribs are rare in the Swabian Gravettian. In this phase of the Ice Age in which trees and wood were not abundant, the Gravettian people often used fresh, fatty bones for fuel in their fire places. Thus large bones are rarely preserved.
The wear and markings on this rib are extraordinary. Both ends of the rib are rounded, and the distal end appears to have been broken deliberately. The end of the rib that articulates with the thoracic vertebra is missing, but the remaining portion is highly rounded from use. The shaft is relatively straight without the characteristic curve of a complete rib.
The thicker side of the rib shows two rows of distinctive marks, one row with 83 and the other with 90 notches. Thirteen hallow cuts are located on the wide surface of the rib.
In general, the marks are clear and precise. They were surely cut on purpose and are well-placed. The cuts exhibit some variability and were not executed in a single serious of actions with a single stone tool.
Although many finds from the Gravettian period preserve markings, similar finds have not been documented in southern Germany.
The excavators hypothesize that this rib had a specific function and was used to store some kind of information. Today, more than 30,000 years later, we struggle to determine the function of the artifact.
For instance, it could have been used for counting days, moon cycles, people, hunting prey or to note of complex process in handicrafts.
The combination of the numbers 83, 90 and 13 presents no clear system, which allows us to offer a definite answer to these  mportant questions, and for now its function remains a mystery.

CHARACTERISTICS
Site Hohle Fels near
Schelklingen
Age Gravettian, between
35.000 and 30.000
years old
AMS-14C-Dating
(ETH-84173)
31.535
to 31.180 cal. BP
Dimensions 44 cm length
5,1 cm width
2,1 cm thickness
Layer AH IIc

  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
  • Kirchplatz 10
  • 89143 Blaubeuren
  • Telefon: 07344 9669-90
  • Fax: 07344 9669-915
  • info@urmu.de
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