hohle fels - elfenbeinmeißel 1
Elfenbeinmeißel 1

hohle fels - elfenbeinmeißel 2
Elfenbeinmeißel 2

hohle fels - elfenbeinmeißel 3
Elfenbeinmeißel 3

hohle fels - meißel©universität tübingen
Elfenbeinmeißel

hohle fels - meißel 2 und 3 in fundlage mit einzeichnung
Meißel 2 und 3 in Fundlage

hohle fels - grabungsübersicht 2019
Grabungsübersicht 2019

hohle fels bei schelklingen
Hohle Fels bei Schelklingen

halle im hohle fels
Halle im Hohle Fels

Meißel aus Mammutelfenbein

Der Ort
Der Hohle Fels bei Schelklingen ist eine große Hallenhöhle, die sich knapp über dem Achtal befindet.
Die archäologischen Fundschichten reichen bis in die Zeit der Neandertaler vor über 60.000 Jahren hinab. Die bedeutendsten Funde sind die figürlichen Kunstwerke, Musikinstrumente und Schmuckstücke aus dem Aurignacien vor rund 40.000 Jahren. Die Aurignacien-Fundschichten sind im Hohle Fels sehr mächtig und liefern jedes Jahr viele Funde.
Seit 2017 ist die Fundstelle Teil des UNESCO-Welterbes „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Hohle Fels immer wieder archäologisch erforscht. Seit 23 Jahren wird unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Nicholas Conard von der Universität Tübingen gegraben.
 
Die Funde
Bei der Grabungskampagne 2019 wurde im Archäologischen Horizont IV der „Befund 6“ nur in einem einzigen Quadratmeter ausgegraben. Trotzdem stammen in diesem Jahr daraus 80 % aller Funde!
 
Besonders aufsehenerregend unter diesen Funden sind drei ziemlich große, gut erhaltene Meißel aus Mammutelfenbein. Diese lagen eng beieinander und könnten zu einem Werkzeugensemble gehören, das entweder absichtlich im Hohle Fels deponiert oder nach den letzten Arbeitsvorgängen einfach liegen gelassen wurde. Doch ist so eine Aussage nach so langer Zeit wegen der stattgefundenen Umlagerungsprozesse schwierig. Die Meißel wurden aus dem härtesten Teil der Stoßzähne gefertigt.
Alle drei Meißel wurden intensiv genutzt. Dies zeigen deutliche Aussplitterungen an beiden Enden der Werkzeuge.
Bei Meißel 3, dem mit 13,6 Zentimeter kürzesten Exemplar, ist das Arbeitsende ausgesplittert, das Ende auf das geschlagen wurde, abgebrochen.
Meißel 2 ist an beiden Enden ausgesplittert.
Meißel 1, der größte mit einer Länge von 21,7 Zentimetern, ist ebenfalls an beiden Enden ausgesplittert. An den Seiten weist er Schlagnarben auf, die wahrscheinlich auf eine Nacharbeitung des Arbeitsendes nach einer Beschädigung zurückzuführen sind. Die Abrundung dieses Endes zeigt, dass das Stück danach weiter genutzt wurde.
 
Für welche Arbeitsvorgänge diese Meißel verwendet wurden, ist noch nicht geklärt und deshalb Ziel künftiger Forschungsarbeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt wird davon ausgegangen, dass sie als Multifunktionswerkzeuge eingesetzt und damit wohl organische Materialien - Elfenbein, Knochen oder Geweih - bearbeitet wurden. Bei der Bearbeitung von Feuerstein oder Hornstein bleiben in den Arbeitsenden normalerweise kleine Absplisse stecken. Dies scheint bei diesen Meißeln nicht der Fall zu sein.
 
Steckbrief
Material Mammutelfenbein
Fundort Hohle Fels bei Schelklingen
Zeitliche Einordnung Aurignacien
ca. 38 000 Jahre alt
Länge Meißel 1     21,7 cm
Meißel 2     16,7 cm
Meißel 3     13,6 cm
Fundschicht AH IV, Quadrat 100




MAMMOTH IVORY CHISELS

The Site
Hohle Fels, located near the town Schelklingen, is a large cave situated several meters above the valley floor of the Ach River.
The archaeological finds range from the time of the Neanderthals more than 60,000 years ago until the medieval period. The most important finds are examples of figurative art, musical instruments and the personal ornaments from the Aurignacian, ca. 40,000 years ago. The Aurignacien layers are very heavy in the Hohle Fels and provide many finds every year.
In 2017 the site was designated part of the UNESCO-World-Heritage zone “Caves and Ice Age Art of the Swabian Jura”. Since the 19th century the Hohle Fels has been the focus of numerous archaeological excavations. For the last 23 years a team under the direction of Prof. Nicholas Conard from the University of Tübingen has excavated the site.
 
The Finds
During the 2019 excavation campaign, "Befund 6" was excavated in Archaeological Horizon IV in a single square meter. Nevertheless, 80% of all finds this year originate from it!
 
Especially sensational among these finds are three rather large, well-preserved chisels made of mammoth ivory. They were placed close to each other and could belong to a tool ensemble that was either deliberately deposited in the Hohle Fels or simply left lying around after the last working processes. After all, stating this after such a long time and the different relocation processes is barely to make.
All three chisels were used intensively. This shows clear splintering at both ends of the tools.
 
On Chisel 3, the shortest one of them (length 13.6 centimeters), the working end is splintered out and the end on which it was struck is broken off.
Chisel 2 is splintered at both ends.
Chisel 1, the largest with a length of 21.7 centimeters, is also chipped at both ends. It has multiple bulbar scars on the sides, which are probably due to the reworking of the working end after damage. The rounding of this end shows that the piece was used further after the reworking.
 
It has not yet been clarified for which operations these chisels were used and is therefore the aim of future research work. For the moment, the conjecture is that the chisels were probably used to work organic materials. When working on flint or chert, small chippings usually get stuck in the working ends. This does not seem to be the case with these chisels.
 
Characteristics
Material mammoth ivory
Site Hohle Fels near Schelklingen
Age Aurignacian, about 38,000 years old
Length chisel 1     21.7 cm
chisel 2     16.7 cm
chisel 3     13.6 cm
Layer AH IV, square 100

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