meteorit blaubeuren
Meteorit "Blaubeuren"

ansägen des meteoriten
Ansägen des Meteoriten

meteorit blaubeuren - sägefläche
Sägefläche

meteorit blaubeuren - dünnschliffe
Dünnschliffe

finder hansjörg bayer mit dem meteoriten©urmu 2020
Finder Hansjörg Bayer
mit dem Meteoriten

Meteorit "Blaubeuren" - größter Meteorit in Deutschland

besuch aus dem all

Der Schwabe, der vom Himmel fiel
Im Jahr 1989 wollte ein Blaubeurer Kabel durch seinen Garten verlegen und stieß mit einem Spaten auf einen Stein. Ein Störenfried, der für seine Größe ein enormes Gewicht hatte, wie sich beim Ausgraben zeigte. Doch machte der Finder aus der Not eine Tugend und verwendete ihn als dekorativen Steinbrocken im Garten. 2015 wurde dieser erst einmal im Keller verstaut.
Im Januar diesen Jahres wuchs das Verlangen des Finders um das Wissen über die Herkunft des Steins, sodass der Blaubeurer beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nachfragte. Mitarbeiter des DLR Instituts für Planetenforschung und weitere Wissenschaftler führten verschiedene Tests und Analysen durch und fanden heraus, dass der gut 30 kg schwere Stein ein echter Meteorit aus dem Weltraum ist. Es handelt sich um den größten jemals in Deutschland gefundenen Steinmeteoriten.
Dieser „Himmelsstein“ trägt seit dem 7. Juli 2020 offiziell den Namen „Blaubeuren“.Aus dem Weltall zu Gast in Blaubeuren

Der Meteorit und sein Innerstes
Urbausteine unseres Sonnensystems

Das Innerste von „Blaubeuren“ besteht aus Millimeter kleinen Kügelchen, sog. Chondren, aus denen auch die Planeten unseres Sonnensystems entstanden – und zwar schon vor 4,5 Milliarden Jahren. Somit kann man sagen, dass „Blaubeuren“ ein wahres Urgestein ist. Diese Chondren und metallische Einschlüsse von Eisen und Nickel sind typisch für diese Art von ursprünglichen Steinmeteoriten. Diese stammen aus dem Asteroidengürtel unseres Sonnensystems, aus dem Bereich zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Seine chemische Zusammensetzung und Struktur teilt er also mit vielen anderen Meteoriten, doch wegen seiner Größe ist „Blaubeuren“ etwas ganz Besonderes.
Um die innere Struktur des Meteoriten offenzulegen, wurde von dem Meteoritenfundstück eine Ecke abgesägt. Dieser Abschnitt wurde und wird in verschiedenen Laboren, u. a. mit Polarisationsmikroskopen und Röntgenfluoreszenzspektrometern fachkundig untersucht, um seine Herkunft und Geschichte genau zu erforschen.

Der Weg eines Meteoriten:
Aus dem Asteroidengürtel nach Blaubeuren

Die meisten auf der Erde gefundenen Meteoriten stammen ursprünglich aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Dort werden sie durch Kollisionen zwischen Asteroiden von ihrem Mutterkörper abgeschlagen und können auf eine Umlaufbahn um die Sonne geraten, welche die Erdbahn kreuzt. Dann ist es möglich, dass solche Körper irgendwann mit der Erde zusammenstoßen, in die Atmosphäre eindringen und auf der Erde landen. Sie werden dann für uns als Lichterscheinung sichtbar. Während diese Körper als Meteore am Himmel entlangziehen, verglühen sie normalerweise restlos. Doch gibt es Ausnahmen, wie den Meteoriten „Blaubeuren“, der als „kleiner“ Rest aus Gestein und Eisen bis auf die Erde gelangte. Der ursprüngliche Gesteinsbrocken muss beim Eintritt wesentlich größer gewesen sein als der aufgefundene, der trotzdem noch eine Größe von
28 x 25 x 20 Zentimeter aufweist. Vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre dürfte der Meteorit 800 bis 1000 Kilogramm gewogen haben. Dieser Eintritt erfolgte mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 000 km/h. Durch die Erdatmosphäre wurde der Meteorit abgebremst und schlug dann mit etwa 300 km/h in der Erdoberfläche ein und schaffte es bis in eine Tiefe von einem halben Meter.
Meteoritenfunde in Mitteleuropa sind eine große Seltenheit. Auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gibt es insgesamt nur 52 gesicherte Meteorite: 33 dieser Meteorite wurden sogar im Flug in der Erdatmosphäre beobachtet, und 19 wurden zufällig gefunden, so auch der Meteorit „Blaubeuren“.

Steckbrief
Maße 28 x 25 x 20 cm
Gewicht 29,40 kg (ohne abgesägtes Stück)
Ursprung Asteroidengürtel
zwischen Mars und Jupiter
Alter wahrscheinlich 4,5 Milliarden Jahre
Klassifizierung des Steinmeteoriten H4-5 Chondrit
     - „H“ - Chondrit mit hohem
       Metallgehalt
     - „4-5" - Grad der
       Rekristallitsation des
       Chondriten
Zusammensetzung Gesteinsmatrix aus Silikatmineralien (Olivinen, Pyroxenen)
in Form von Schmelztröpfchen, sog. Chondren, und
Metalleinschlüssen (vorwiegend Eisen, mit etwa 10% Nickel)
Spezifisches Gewicht 3,34 ± 0,01 g/cm³


Weitere Informationen über den Sensationsfund auf der Internetseite des
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt – www.dlr.de


  • Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
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