Hilfe und Unterstützung

Ordnung muss sein

Im Mittelalter waren Arme auf Almosen angewiesen.
Die Kirche sprach die Pflicht zur Spende „Heiligen“ aus,
und über Spitäler und Klöster wurden die Bedürftigen unterstützt.
Im Gegenzug waren die Empfänger verpflichtet, für die Gebenden zu beten.
Durch Seuchen und Kriege stieg die Anzahl an Armen zeitweise extrem an. Es wird angenommen, dass teilweise zwei Drittel einer städtischen Bevölkerung auf Unterstützung angewiesen waren. Viele Berufsgruppen lebten am Rande des Existenzminimums, wie Henker, Latrinenwäscher, Prostituierte oder Gaukler. Für sie
bestand keine Chance zum sozialen Aufstieg.
Die Städte ordneten das Bettelwesen in ihren Mauern und erließen eine Bettelordnung. Kern der Ordnung war,
dass ortsansässige Arme Unterstützung erhielten und ortsfremde Personen vertrieben wurden.

bettelordnung von 1512
bettelordnung von 1512
Bettelordnung von 1512
(Stadtarchiv Ulm)

Der „Bubenkönig“ oder „Bettelvogt“ jagte im Auftrag der Stadtoberen die fremden Bettler, brachte sie ins Gefängnis oder transportierte sie mit der „Bettelfuhre“ an einen anderen Ort.
Mit der Reformation, ab dem 16. Jahrhundert, wurde die Unterstützung der Armen neu geordnet. Zuständig waren in erster Linie nun die Kirchen. Diese sammelten in der Kollekte „Heiligen“ für die ortsansässigen Armen und richteten einen Armenkasten oder Armenhafen ein (Hafen = Topf). Das öffentliche Betteln wurde verboten.
Nach dem 30jährigen Krieg, ab 1648, war die Not so groß,
dass die kirchliche Kollekte nicht mehr ausreichte. Heimatlose, Traumatisierte und Kriegsversehrte strömten
in die Städte. Nun durfte wieder öffentlich gebettelt werden. Aber auch hier wurden Bettler auf einen Karren gepackt und in eine andere Gegend transportiert und ausgesetzt.
Bürger, die unverschuldet in Not gerieten, wie durch Krankheiten, Unfälle oder einen Hausbrand, durften in der Heimatstadt ihr Auskommen erbetteln und erhielten Obdach und Speise in den Spitälern.
Ab dem 18. Jahrhundert erhielten sie dafür eine Blechmarke als Ausweis. Im Schwäbischen entstand der Begriff des „Heilig's Blechle“ für diese Form der Existenzsicherung.

bürgersweib mit heiligem blechle
Bürgersweib, das ein "Heilig's Blechle auf dem Ärmel trägt
Septimus Rommel - Anfang 19. Jahrhundert
Museum Ulm

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elisabeth hilft während einer hungersnot bedürftigen Elisabeths Unterstützung der Armen
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