Die Ausstellung
Wir gehen unseren Weg, Schritt für Schritt – eine Selbstverständlichkeit des Alltags. Doch wenn wir innehalten und zurückblicken, offenbart sich etwas Erstaunliches: Fußspuren, die über Millionen Jahre hinweg überdauerten, Handabdrücke an Höhlenwänden, deren rote Farbe seit Jahrtausenden leuchtet. Was heute selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis einer langen evolutionären Geschichte – und zugleich Zeugnis eines tief menschlichen Bedürfnisses, Spuren zu hinterlassen.
Die Ausstellung „Abgedruckt" lädt zu einer Spurensuche durch Raum und Zeit ein. Sie führt von den etwa 3,6 Millionen Jahre alten Fußabdrücken in Laetoli, Tansania, die vom aufrechten Gang früher Vormenschen erzählen, bis zu den rätselhaften Handbildern in Höhlen Europas, Asiens und Amerikas. Dabei verbindet sie zwei Motive, die dasselbe bezeugen: Menschen waren hier. Die Fußspuren im Vulkanstaub dokumentieren Bewegung, Flucht vielleicht, einer kleinen Familie. Die Handbilder an Felswänden hingegen – selten als Positiv, sehr häufig Negativ, einzeln oder in dichten Ensembles – scheinen bewusst gesetzt: als Geste, als Zeichen, als Verbindung mit dem Ort.
Wie lassen sich diese Spuren heute lesen? Die Ausstellung beleuchtet unterschiedliche Forschungsansätze: Von der kriminaltechnischen Analyse der Papillarleisten über die Untersuchung von Maltechniken und Farbzusammensetzungen bis zur Zusammenarbeit zwischen Archäologie und indigenem Wissen, wie im Projekt „Tracking in Caves". Hier arbeiteten Wissenschaftler mit namibischen Fährtenlesern zusammen, um 17.000 Jahre alte Spuren in französischen Höhlen zu deuten. Solche interdisziplinären Perspektiven eröffnen neue Zugänge: Sie machen die Individualität der Menschen sichtbar, die einst durch diese Höhlen gingen oder ihre Hände an den Felsen legten. Zugleich werfen sie grundlegende Fragen auf: Warum wurden bestimmte Orte aufgesucht? Welche Bedeutung hatten die Handbilder – Schutzgeste, Ritual, Kommunikation über Generationen hinweg?
„Abgedruckt" versteht sich als Einladung, diese offenen Fragen mitzudenken. Die Ausstellung zeigt, dass steinzeitliche Kunst kein europäisches Phänomen ist, sondern weltweit auftritt – vom Newspaper Rock in den USA bis nach Chile und Argentinien, zu den Frobenius-Kopien indonesischer Felskunst. Sie macht deutlich, dass das Bedürfnis, sich selbst auszudrücken und Zeichen zu setzen, tief in der menschlichen Natur verankert ist. Und sie lädt dazu ein, die eigene Hand zu betrachten: einzigartig, ausdrucksstark, verbindend – ein Werkzeug, ein Kommunikationsmittel, ein Zeichen ohne Namen, das durch die Jahrtausende spricht.
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