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Brillenhöhle

Öffnungszeiten

Heute geöffnet bis 17 Uhr

Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr
Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr
Montag geschlossen
Eintrittspreise
Regulär 7 €
Kinder 7 bis 17 Jahre 3 €
Ermäßigt 5 €
Gruppen ab 12 P. 5 € p.P.
Schulklasse 2 € p.P.
Familie/Single-Familie 15 € / 9 €
Adresse
Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
Kirchplatz 10
89143 Blaubeuren

Beschreibung

Blaubeuren – Achtal, Alb-Donau-Kreis

Vor 40 000 bis 12 000 Jahren bewohnten Menschen wiederholt die Brillenhöhle bei Blaubeuren und hinterließen zahlreiche Werkzeuge, Schmuckstücke und Reste ihrer Jagdbeute.

Eine 1906 durchgeführte Sondage von R. R. Schmidt war erfolglos. In der Höhle wurde dann 1955-1963 unter der Leitung von G. Riek ausgegraben. Er entdeckte mehrere Fundschichten mit Siedlungsresten der Jüngeren Altsteinzeit und einem Mischhorizont mit Funden aus dem Magdalénien bis zur Urnenfelderzeit. Seit 2020 finden nach fast 60 Jahren neue Untersuchungen durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg unter der Leitung von Yvonne Tafelmaier statt.

Die Magdalénien-Fundschicht enthielt ein reichhaltiges Spektrum an Stein- und Knochengeräten. Durch zahlreiche Stichel, Kratzer, Bohrer, Rückenmesser sowie eine Kerbspitze sind die typischen Werkzeugformen eines späten Magdalénien vertreten. Die Knochen- und Geweihindustrie zeichnet sich durch Harpunen, Geschossspitzen, Lochstäbe, Nähnadeln mit Öhr und einen möglichen Trommelschlegel aus. Gekerbte Elfenbeinstäbe sind späte Belege für die Verwendung dieses Materials. An Strukturen sind mehrere größere und kleinere Feuerstellen belegt, die zum Teil mit Steinen umbaut waren.
Aus einer der Feuerstellen wurden menschliche Skelettreste geborgen, die von mindestens drei Individuen stammen: einem 8-10jährigen Kind, einer erwachsenen Frau und einem 40-60jährigen Mann. Auf den Knochenoberflächen konnten Schnitt- und Schabespuren sowie menschliche Zahnabdrücke nachgewiesen werden.

Aus den Gravettien-Horizonten sind Reste zweier Steineinbauten und mehrere Feuerstellen nachweisbar. Die Oberfläche des Gravettien bildet eine große Brandschicht aus Knochenkohle, die viele Stein- und Knochenartefakte enthielt. Unter den Steinwerkzeugen sind Gravettespitzen, Stichel und Kratzer, unter den Knochenartefakten Geschossspitzen, Glätter, Pfrieme und gekerbte Knochenstäbchen vertreten. Besonders zu erwähnen ist ein Lochstab, der aus Elfenbein geschnitzt wurde. Als Schmuckelemente dienten tropfenförmige Elfenbeinanhänger, Perlen und Knochenröhrchen, durchbohrte Fuchseckzähne und je ein großer Anhänger aus Knochen bzw. Kalkstein.
Außerdem gelang es, Steinwerkzeuge aus der Brillenhöhle, dem Geißenklösterle und dem Hohle Fels zusammenzusetzen. Alle drei Höhlen wurden also zeitgleich genutzt.

Die frühesten Belege einer Nutzung der Höhle durch den Menschen datieren ins Aurignacien. Hierbei handelte es sich vermutlich nur um einen kurzen Aufenthalt, da außer zwei Knochenspitzen keine weiteren Funde oder Befunde wie zum Beispiel Feuerstellen festgestellt wurden. Allerdings wurde dieser Horizont auch nur in einem kleinen Bereich gegraben.

Unter den Tierknochen der paläolithischen Schichten ist der Höhlenbär am häufigsten vertreten, so dass auch für die Brillenhöhle eine Nutzung als Winterquartier und Wurfplatz der Bären ausgegangen wird. Zur menschlichen Jagdbeute sind dagegen die Reste von Mammut, Wildpferd, Wildrind, Rentier, Rothirsch, Wolf, Eis- und Rotfuchs zu rechnen. Sehr erfolgreich scheint die Jagd auf Schneehasen, Schneehühner und Enten gewesen zu sein.

Besuch

GPS-Daten     48°24'19" N, 9°46'40" O

Wege zur Brillenhöhle
Von der B 492 aus:
- B 492 Blaubeuren Richtung Ehingen
- vorbei an Brücke über Bahnlinie
- danach rechts Parkplatz an Felswand
- zu Fuß weiter Richtung Ehingen
- nach 100 m rechts Eingang in Fußweg
- über die Stufen nach links oben Richtung Felsenlabyrinth, Günzelburg, Seißen
- kurz nach einer Bank vor einem Felsriegel Weg rechts hoch in Serpentinen
- am Schluss über Stufen bis zur Brillenhöhle


Vom URMU aus:
- vom Museum entlang der Karlstraße Richtung Bahnhof
- bis zur Kreuzung mit der Weiler Straße (Ampel)
- rechts in die Weiler Straße
- an der nächsten Kreuzung links abbiegen (weiterhin Weiler Straße)
- schräg nach rechts den Reichlensbergweg nach oben (an ehemaliger Töpferei Mindel – Anschrift am Haus)
- oben angekommen links halten
- schräg nach rechts oben dem Matthäus-Hipp-Weg folgen
- nach dem Ende der Teerstraße dem Fahrweg bis zu einer Kehre folgen
- geradeaus in den Wald gehen
- nach ca. 300 Metern nicht steil nach rechts oben, sondern nach links unten bis zur nächsten Weggabelung
- von hier aus auf der Treppe nach rechts oben auf den Höhlenvorplatz steigen

Die Höhle ist aus Schutzgründen vergittert. Sie kann derzeit aus Sicherheitsgründen leider nicht besucht werden. Der Einblick in die Hallenhöhle ist von außen möglich. Zusammen mit dem Felsenlabyrinth ergibt sich ein schönes Wanderziel.
Die Wege sind für Rollstuhl und Kinderwagen nicht geeignet.

Karte Wege zur Brillenhöhle

Fundobjekte

30 000 Jahre vor heute
30 000 Jahre vor heute

Bilder

Ausgrabung in den 1950er Jahren 
Grabungsführung durch Gustav Riek 
Tropfenförmige Elfenbeinanhänger 
Kalkstein mit Farbspuren 
Menschenknochen aus der Sekundärbestattung 
Ausgrabung im Jahr 2020